Arthroseforum · 05. November 2026 — Jetzt anmelden →

Kalkschulter

Tendinosis calcarea der Schulter – häufig sehr schmerzhaft, aber meist gut behandelbar

 

Eine Kalkschulter kann völlig harmlos beginnen – und dann plötzlich sehr heftig werden. Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass die Schulter zunächst nur bei bestimmten Bewegungen gestört hat. Dann kommt oft aus scheinbar heiterem Himmel ein massiver Schmerzschub: Der Arm lässt sich kaum noch heben, Schlafen auf der betroffenen Seite ist unmöglich, manchmal tut die Schulter sogar in Ruhe oder nachts stark weh.

Viele Patientinnen und Patienten berichten allerdings, dass sie in den Tagen vor dem Beginn der starken Schmerzen ungewohnte oder längere schulterbelastende Tätigkeiten ausgeführt haben – zum Beispiel Fensterputzen, stundenlanges Bügeln, Wände streichen, Tennis, Padel oder eine längere Downhill-Mountainbike-Tour. Solche Belastungen sind meist nicht die eigentliche Ursache der Kalkschulter, können aber einen bereits vorhandenen Kalkherd reizen und dadurch einen akuten Entzündungsschub auslösen.

Das wirkt dramatisch – und fühlt sich für Betroffene auch so an. Die gute Nachricht ist: In den meisten Fällen handelt es sich nicht um eine „kaputte Schulter“ und auch nicht um einen Sehnenriss. Häufig steckt ein Kalkdepot in einer Sehne der Rotatorenmanschette dahinter. Dieses Kalkdepot kann sich entzünden, in den Schleimbeutel entleeren und dadurch sehr starke Beschwerden auslösen.

 

Was ist eine Kalkschulter?

Bei der Kalkschulter lagern sich Kalksalze in eine Schultersehne ein, meistens in die Supraspinatussehne. Diese Sehne gehört zur Rotatorenmanschette – also zu jener Sehnengruppe, die den Oberarmkopf stabilisiert und die Schulterbewegung fein steuert.

Bei der Kalkschulter handelt es sich nicht um Gicht und auch nicht um Pseudogicht. Der Kalk besteht überwiegend aus Calcium-Hydroxylapatit, einem Mineral, das dem Knochenkalk ähnelt. Vermutlich geraten in einem kleinen Bereich der Sehne Reparatur- und Umbauprozesse aus dem Gleichgewicht. Sehnenzellen können sich dann vorübergehend eher wie Knorpel- oder Knochenzellen verhalten und Kalk einlagern. Warum das bei manchen Menschen passiert und bei anderen nicht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Mechanische Belastung kann ein Auslöser oder Verstärker sein, erklärt die Erkrankung aber nicht allein.

Wichtig ist: Ein Kalkdepot bedeutet nicht automatisch Schmerzen. Viele Menschen haben Kalkablagerungen in der Schulter, ohne davon etwas zu merken. Beschwerden entstehen meist erst dann, wenn der Kalkherd unter Druck gerät, sich verändert oder vom Körper abgebaut wird.

Warum tut das so weh?

Der heftigste Schmerz entsteht oft nicht durch den Kalk selbst, sondern durch die Entzündung darum herum. Wenn ein Kalkdepot „aufbricht“ oder sich Kalkanteile in den Schleimbeutel unter dem Schulterdach entleeren, reagiert der Körper manchmal sehr energisch. Dann entsteht eine akute Schleimbeutelentzündung mit starken Ruhe- und Nachtschmerzen.

Medizinisch gesehen ist ein solcher Schub zwar unangenehm, aber nicht zwingend ein schlechtes Zeichen: Häufig beginnt der Körper in dieser Phase, den Kalk selbst abzubauen. Das Problem ist allerdings, dass sich solche Schübe über Monate oder Jahre wiederholen können.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Eine sorgfältige Untersuchung bleibt der erste Schritt. Typisch sind Schmerzen beim seitlichen Anheben des Arms, Druckschmerzen im Bereich des Schleimbeutels und häufig eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung.

Zur Sicherung der Diagnose reicht häufig ein Röntgenbild, weil sich Kalkdepots dort gut darstellen lassen. Der Ultraschall ist für mich besonders wertvoll, weil man damit nicht nur den Kalk sieht, sondern auch beurteilen kann, ob der Schleimbeutel entzündet ist, ob Flüssigkeit vorhanden ist und ob die Sehnen sonst intakt sind. Ein MRT ist nur selten notwendig, kann aber sinnvoll sein, wenn zusätzlich ein Sehnenriss, eine andere Gelenkerkrankung oder eine unklare Schmerzursache vermutet wird.

 

Konservative Behandlung: meistens der erste Weg

Im akuten Schub geht es zunächst darum, die Entzündung und die Schmerzen zu beruhigen. Kühlung, vorübergehende Entlastung, entzündungshemmende Schmerzmittel und gegebenenfalls eine gezielte Infiltration unter das Schulterdach können helfen. Wiederholte Kortisoninfiltrationen in kurzen Abständen sollten jedoch vermieden werden, weil Sehnengewebe dadurch geschwächt werden kann.

Physiotherapie kann sinnvoll sein, vor allem um Schonhaltungen, Nackenverspannungen und eine zunehmende Schultersteife zu vermeiden. In der stark entzündlichen Akutphase ist aber nicht jede Übung hilfreich. Dann braucht es eher eine dosierte, schmerzadaptierte Mobilisation als ein kräftiges Training gegen den Schmerz.

 

Stosswelle und Needling

Bei länger anhaltenden Beschwerden kann eine extrakorporale Stosswellentherapie versucht werden. Sie kann Kalkdepots auflockern und den körpereigenen Abbau anregen. Die Wirkung ist aber nicht bei allen Patientinnen und Patienten gleich zuverlässig. Daher erkläre ich diese Behandlung gerne als Option – nicht als Garantie.

Eine weitere Möglichkeit ist das ultraschall- oder röntgengesteuerte Needling, auch Barbotage genannt. Dabei wird das Kalkdepot unter lokaler Betäubung mit einer Nadel eröffnet und gelockert; manchmal lassen sich verflüssigte Kalkanteile sogar ausspülen oder absaugen. Wenn dies gelingt, kann die Wirkung sehr eindrücklich sein. Leider ist nicht jeder Kalkherd dafür gleich gut geeignet.

 

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Bei der Kalkschulter gilt für mich eine einfache Regel: Nicht das Röntgenbild entscheidet über die Operation, sondern der Leidensdruck und der Verlauf. Wenn die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Behandlung immer wiederkommen oder über längere Zeit nicht ausreichend besser werden, kann eine arthroskopische Kalkentfernung sehr sinnvoll sein.

Bei der Gelenkspiegelung wird zunächst der entzündete Schleimbeutel entfernt. Anschliessend wird das Kalkdepot lokalisiert, die Sehne in Faserrichtung vorsichtig eröffnet und der Kalk ausgeräumt. In vielen Fällen muss die Sehne danach nicht genäht werden. Bei grösseren Defekten kann im Einzelfall eine Naht notwendig sein.

 

Nachbehandlung und Arbeitsunfähigkeit

Nach einer arthroskopischen Kalkentfernung soll die Schulter in der Regel früh wieder bewegt werden. Eine längere Ruhigstellung ist meist nicht nötig und auch nicht erwünscht. Wichtig ist eine gute Schmerzbehandlung und Physiotherapie, damit keine Schultersteife entsteht.

Bei Bürotätigkeiten beträgt die Arbeitsunfähigkeit häufig wenige Wochen. Bei körperlich belastenden Berufen kann sie deutlich länger dauern, teilweise bis zu drei Monate. Entscheidend ist, wie rasch Beweglichkeit, Kraft und Vertrauen in die Schulter zurückkehren.

 

Mein Fazit

Die Kalkschulter ist oft schmerzhafter, als der Befund zunächst vermuten lässt. Gleichzeitig ist sie in vielen Fällen gut behandelbar und heilt nicht selten auch ohne Operation aus. Entscheidend ist, die Situation richtig einzuordnen: akuter Entzündungsschub, chronisch störendes Kalkdepot, beginnende Schultersteife oder doch eine andere Ursache. Mit Untersuchung, Röntgen und Ultraschall lässt sich meist rasch klären, welcher Weg sinnvoll ist.

Herzlich

Ihr Dr. med. Olaf Büttner

Ihre behandelnden ärzte

Dr. med.

Olaf Büttner

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Aron Huber

Dipl. Physiotherapeut

Standortleitung Orthophysio Herisau

Titel:
Dipl. Physiotherapeut (2015 Bad Waldsee)

Fort- und Weiterbildungen:

Sport- und Gymnastiklehrer
Funktionelle Manuelle Therapie
Manuelle Lymphdrainage
Medical Taping Concept
Staatlich anerkannten Trainer C Leistungssport Tennis

Berufliche Tätigkeiten:
Orthophysio seit 2019
Physio im Zentrum Wittenbach 2015 – 2019

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